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Einweihung des Mimbacher Lehr- und Bauerngartens PDF Drucken E-Mail

Zur Einweihung des Mimbacher Lehr- und Bauerngartens

Schön ist sie geworden, unsere kleine Gartenanlage, hier im ehemaligen Mimbacher Pfarrgarten.
Wer den Garten noch vor dem Umbau in Erinnerung hat, weiß wohl, was hier an Arbeit hinein gesteckt wurde, um zu dem heutigen Ergebnis zu kommen.

Mit dem Wort Garten dürften die meisten Menschen etwas Positives verbinden. Schließlich ist der Garten der Ort, an dem ausgesät, gehegt, gepflegt, gedüngt, Wildwuchs zurecht geschnitten und zu guter Letzt geerntet wird. Auf die Früchte des Gartens ist der Mensch also angewiesen. Als äußerst wichtig erweist sich, dass alles wächst, blüht und gedeiht. Auch, und ganz besonders das Pflänzlein Mensch. Hier im Kindergarten geht es vor allen Dingen darum den kleinen Menschlein auf die ersten gemeinsamen Sprünge ihres Lebensweges zu helfen. Was liegt da näher, als den Kindern auch die Natur ein gutes Stück näher zu bringen. So gesehen, erfüllt der Kindergarten eine sehr wichtige Aufgabe, im Interesse der Familien, aber auch der Gemeinschaft insgesamt.

Als die Kinder hier vor wenigen Wochen die ersten Pflanzen einsetzten, hätten Sie sehen sollen mit welcher Begeisterung alle Kinder dabei waren, sie fieberten diesem Tag förmlich entgegen.

Dieser Lehr- und Bauerngarten soll als Sinnbild verstanden werden. Als Sinnbild für die nachhaltige Entwicklung unserer Region, der künftigen Biosphäre Bliesgau. Den Kindern soll dieser zusätzliche Aktiv- und Erlebnisbereich helfen, die Natur mit allen Sinnen zu begreifen. So wie sich unsere Kinder in der Obhut des Kindergartens entwickeln, soll auch dieser Garten mit wachsen.

Dieser Lehrgarten des evangelischen Kindergartens Mimbach soll aber nicht nur den Kindern zur Verfügung stehen, sondern Menschen jeden Alters.
Er soll ein Ort der Ruhe und Erholung sein, aber auch der Belebung. Er soll durch seine schöpferische Kraft trösten und auch Hoffnung geben können. Der Garten ist zum Inbegriff vom Leben und seiner Schönheit geworden.

Als während der Umbaumaßnahme des evangelischen Kindergartens im Presbyterium der Wunsch aufkam, für die Kinder einen Lehrgarten zu installieren, erklärte sich der damalige Pfarrer Schneider spontan bereit, den nicht genutzten und bisher brach liegenden Pfarrgarten für diese Zwecke zur Verfügung zu stellen.
Mit Hilfe von Herrn Alexander Schmeer konnten wir das Gelände entsprechend vermessen, was ganz besonders wichtig war, denn ohne diese Grundlage sind keine detaillierten Planungen möglich.
Schließlich mussten auch die zahlreich vorhanden Bäume mit aufgenommen werden, um zu sehen, ob sie in die Planungen mit aufgenommen werden könnten.
Aufgrund dieser Geländeaufnahme waren nun erste Planungen möglich. Unter den drei Varianten die ich entwickelte, war die Idee des traditionellen Bauerngartens, mit dem Wegekreuz in der Mitte bei allen beteiligten am besten angekommen. Als Hauptachse diente dabei die rechtwinklige Flucht der Eingangstür zum unteren Saal des Matthias-Claudius-Heimes. Dass ein Grillplatz nicht unbedingt zum traditionellen Bauerngarten gehört, kann sich wohl jeder denken. Er ist jedoch ein Tribut an unsere moderne Zeit.
Dem bauleitenden Architekturbüro Kleemann, das auch für den Kindergartenumbau verantwortlich zeichnete und der AQUIS  unter der Leitung von Herrn Thielen und Herrn Wendel gilt für die Umsetzung des Projektes im Rahmen des Kindergartenumbaus mein bester Dank. Dank Einsatz der AQUIS konnten 18.000,-€ Lohnkosten gespart werden.
Sowie der Stadt, dem Kreis und dem Land für die zur Verfügung Stellung von Arbeitsmaterialien und Materialkosten in Höhe von 18.500 € _dazu zählen Schotter, Splitt, Zaunanlage, Pergola, Beleuchtung und Bepflanzung_ die ebenfalls im Rahmen des Kindergartenumbaus verausgabt wurden.


Die Geschichte des Bauerngartens ist eng mit der Entwicklung der bäuerlichen Kultur verbunden. Die bescheidenen Vorläufer des Bauerngartens entstanden zu der Zeit, als aus Nomaden sesshafte Bauern wurden, dies war die Geburtsstunde des Urgartens. Zu seiner Entstehungszeit war der Mensch der Natur noch völlig unterworfen, er stand in enger Beziehung zu der Pflanzenwelt.
Mit dem Eindringen der Römer veränderte sich allmählich der schmucklose germanische Bauerngarten. Die Römer brachten in die eroberten Gebiete ihre eigenen Würz- und Heilkräuter mit, wie Raute, Anis, Dill, Kerbel, Schnittlauch, Thymian, Senf und Koriander. Der Bestand an Gemüse wurde mit Kürbis, Gurken, Spargel, Sellerie, Knoblauch und Rüben bereichert. Hochwertige Obstsorten wurden eingeführt: Cerasus, Prunus und Persicum sind lateinische Namen, aus denen mit der Zeit die deutschen Wörter Kirsche, Pflaume und Pfirsich wurden. Auch Mandeln, Aprikosen, Walnuss, Kastanie und Weinrebe hielten jetzt Einzug, ebenso viele neue Apfel- und Birnensorten.
Sogar Blumenbeete mit Rosen und Lilien, vermutlich auch Goldlack und Levkojen, wurden von den Römern angelegt. Aber für die farbenprächtigen Blütenpflanzen hatten die Germanen noch kein Verständnis.
Die zunehmende Bereicherung der Gärten im ländlichen Bereich verdanken wir der Ausbreitung des Christentums in Mittel- und Nordeuropa. Denn das ganze Mittelalter hindurch waren Benediktiner und Zisterzienser die Hauptträger der Gartenkultur Europas, sie erhielten die gärtnerischen Kenntnisse der Römer am Leben (sie konnten noch die alten Schriften lesen). Die Mönche gaben ihren Erfahrungsschatz über den Anbau von Obst, Gemüse und Heilkräutern an die Dorfbewohner weiter.
Die Blumen, die in ihren Gärten blühten, standen dort allerdings nicht um ihrer Schönheit willen, sondern wegen ihres tatsächlichen oder angenommenen Wertes als Heilpflanzen. Rosen, Lilien, Iris und Salbei lieferten Blüten, Blätter oder Wurzeln zum Bereiten heilender Salben oder Tränke. Man schmückte mit ihnen und später auch mit anderen Blumen die Kirche an christlichen Festtagen zum Gottesdienst.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gaben die Klöster ihre führende Rolle auf. Auch Ärzte, Dorflehrer, Apotheker und reiche Bürger beschäftigten sich nun mit der Pflanzenwelt und beeinflussten damit die Entwicklung des Bauerngartens.
Mit dem Humanismus entstand das Bemühen, alle Pflanzen zu erforschen, auch jene, die nicht nützlich waren. Bisher hatten eigentlich nur Pflanzen Beachtung gefunden, die einen gewissen Nährwert hatten, über Heilkräfte verfügten oder einen sonstigen Nutzen brachten. Nun aber hatten sie auch wegen ihrer Schönheit eine Daseinsberechtigung. Eine große Vielfalt von bisher unbekannten Gewächsen aus römischen Gärten begeisterte zuerst Forscher und Botaniker, dann das gehobene Bürgertum, schließlich hielt sie auch in die einfachen Gärten Einzug. Die Gärten wurden immer prächtiger und die Pflanzenauswahl immer größer. Kleriker, Patrizier und reiche Bürger gestalteten ihre Gärten nach dem Vorbild der italienischen Renaissancegärten. Viele Gestaltungsmerkmale wie Buchseinfassungen, geschnittene Hecken und das Mittelrondell gelangten auch in den Bauerngarten.
Mit dem dreißigjährigen Krieg und der daraus folgenden Verarmung der Bevölkerung wurde jegliche Gartenkultur in Deutschland vernichtet. Gemüseanbau garantierte das Überleben, während der Anbau von Blumen unnützer Luxus wurde.

Im 18. Jahrhundert knüpfte die Gartenkultur an den Stand vor dem dreißigjährigen Krieg an. Der Garten wurde zur Machtdemonstration (z.B. Versailles) und wohlhabende Bauern versuchten, die Gärten der herrschenden Klasse nachzuahmen. So gelangten barocke Elemente in den Bauerngarten, z.B. der Figurenschnitt von Eibe und Buchs, Blumenrondelle am Wegkreuz und buchsumsäumte Beete. Die Gärten waren oft Statussymbol der Bäuerin und wurden mit neuen exotischen Blumensorten geschmückt. Die Stilelemente des Barock (strenge Symmetrie und Ordnung) blieben auch in späteren Epochen erhalten. Um Bauerngärten stets ordentlich und nicht überladen aussehen zu lassen, waren geometrische Beetformen vorherrschend.

Mit dem 19. Jahrhundert begann eine Zeit wirtschaftlicher, soziologischer und geistiger Wandlungen. Die Landwirtschaft trat ins technische Zeitalter ein, der Gedanke von Rationalisierung, Regelmäßigkeit und Bequemlichkeit setzte sich durch. Der traditionelle Bauerngarten drohte mehr und mehr zu verschwinden. Dennoch hielt man trotz des Nutzungswandels bis in das 20. Jahrhundert noch an Überliefertem und Altbewährtem fest.

In der Nachkriegszeit, ab den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, verlor der Bauerngarten vollends an Bedeutung. Es kam zu einem dramatischen Rückgang der Gartenflächen, viele Gärten gingen verloren. Niemand war mehr abhängig von Obst und Gemüse, Arzneipflanzen und Gewürzen, alles konnte jetzt gekauft werden. Die Gemüsekultur wurde eingeschränkt oder ganz aufgeben.
Altes, wenn auch Bewährtes, musste einer neuen Modernität weichen; aus Nutzgärten wurden Freizeitgärten. Gepflegter Rasen, Blaufichten und fremdländische Zierpflanzen schmückten die neuen, von tadelloser Ordnung und Sauberkeit geprägten Gärten. Alte Heilkräuter, robuste Blumenarten und unerwünschte Unkräuter verschwanden an vielen Orten. Oft wurde dörfliches Grün durch Teer und Pflaster ersetzt, zum Beispiel mit Garagen überbaut. Dorfverschönerung und Verkehrsplanung führten oft auch zu einer Verarmung der Gärten und Dörfer. Zurück blieb manchmal nur eintöniger, sauber gepflegter Zierrasen, umrahmt von Koniferen. Ein Garten sah aus wie der andere, die Individualität der Gärten ging verloren.

Wenn auch der traditionelle Bauerngarten verloren scheint und es wenig Sinn machen würde, überall wieder Gärten nach historischen Vorbildern anzulegen, die dann nur noch Museen ohne wirklichen Nutzen wären, so sollte man doch versuchen, einiges vom Altbewährten und Überlieferten zu erhalten.
_Dies haben wir mit dieser Anlage versucht._
Viele der alten Bauerngartenpflanzen verdienen eine Renaissance, denn oft, wenn auch nicht immer, sind sie schöner und widerstandsfähiger als moderne Neuzüchtungen. Viele der alten Sorten haben auch heute noch ihren Wert, ob als bewährte Würz- und Heilmittel, als Lebensraum für zahlreiche Tiere, für den Erhalt der genetischen Vielfalt von Nutz- und Zierpflanzen oder als Teil unseres Kulturerbes, zur Wahrung und Dokumentation historischer Nutzungsformen.

Ein Garten entsteht, wo wachsende Natur und gestaltende Phantasie harmonisch zusammen wirken.

In diesem Zusammenhang möchte ich mich bei allen bedanken, die die Verwirklichung dieses Projektes mit so viel persönlichem Engagement und Enthusiasmus möglich gemacht haben.

Stolz bin ich auch darauf, dass es uns gelungen ist, viele der bereits vorhanden Materialien wieder zu verwenden, seien es die alten Wegeplatten, die Wegeeinfassungen aus Basaltkopfsteinpflaster, welche unter einer Teerdecke hier unmittelbar vor der Garage ihr tristes Dasein verbargen, oder die Bruchsteine die vom Abriss einer alten Scheune in Altheim stammten.
Denn genau so hatten es auch unsere Ahnen früher gemacht. So manches Haus in Mimbach ist wohl auch aus Abrissmaterialien des Blieskasteler Schlosses erbaut.

Unser Dorf, der älteste Stadtteil von Blieskastel, liegt an der Barockstraße Saarpfalz. Die Mimbacher Christuskirche ist nun nicht mehr allein stellvertretend für unsere Gemeinde, ein Aushängeschild des Saarpfalz-Kreises.
Der evangelische Kindergarten Mimbach und unser Dorf sind heute um eine Attraktion reicher geworden.

Vielen Dank euch allen, für dieses wunderbare Geschenk.

Euer Ortsvorsteher Gerd Weinland

 
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