„Reichskristallnacht“ -70 Jahre danach

Die „Reichskristallnacht“ -70 Jahre danach-, geht uns das noch was an?


Vor 70 Jahren in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 trat die nationalsozialistische Hetzjagd auf das Judentum in eine neue Phase. Überall im Land brannten die Synagogen, die staatlich verordnete Zerstörung von Leben und Eigentum der jüdischen Mitbürger trat aller Welt abermals deutlich vor Augen. Aus dem Land der Dichter und Denker war endgültig das Land der Richter und Henker geworden, wie es Erich Kästner formulierte. Nicht alle schwiegen zu diesem unvorstellbaren Akt der Barbarei. Sich der Gefahr für Leib und Leben bewusst, predigte der württembergische Dorfpfarrer Julius von Jan aus Oberlenningen am folgenden Buß- und Bettag über den vorgegebenen Bibeltext:

„ Die Leidenschaften sind entfesselt, die Gebote missachtet, Gotteshäuser, die anderen heilig waren sind ungestraft niedergebrannt worden, das Eigentum der Fremden geraubt oder zerstört….. Und wir als Christen sehen, wie dieses Unrecht unser Volk vor Gott belastet und seine Strafen über Deutschland herbeiziehen muss. Gott lässt seiner nicht spotten. Was der Mensch säet, wird er auch ernten.“

Und wenige Jahre später brannte ganz Deutschland. Eine Stadt nach der anderen fiel in Schutt und Asche, Millionen fanden den Tod. Deutschland, dass so viel Schuld auf sich geladen hatte, musste furchtbar dafür büßen, dass es Hitler und seinen Schergen die Macht zufallen ließ. Als nach dem völligen Zusammenbruch wieder politisches Leben in Deutschland entstand, waren sich die Väter unseres Grundgesetzes einig, dass so etwas nie wieder geschehen durfte. Sie schufen eine Verfassung auf deren Grundlage in Deutschland wieder ein blühendes Gemeinwesen entstand. Alle staatliche Gewalt steht seither unter der Kontrolle der Verfassung und der Gesetze. Unsere Demokratie bietet ihren Bürgern eine vorher nie da gewesene Freiheit und Sicherheit. Doch diese demokratische Ordnung bleibt nur lebendig, wenn sich immer wieder genügend Leute finden, die bereit sind, sich zumindest eine gewisse Zeit für die öffentlichen Belange einzusetzen. Wählen gehen oder sich wählen lassen, das sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Nur wenn der Wille zur Demokratie in den Köpfen und in den Herzen der Menschen lebendig bleibt, ist die Demokratie auf Dauer stark genug, ihre Feinde abzuwehren. Es ist wohl richtig, die meisten der heute in Deutschland Lebenden sind nicht verantwortlich für das was in deutschem Namen einst geschah, aber wir sind dafür verantwortlich, dass so etwas nie wieder geschieht.
SPD Mimbach -Der Vorstand-

(RG)