Weihnachts- und Neujahrsgrüße

Weihnachts- und Neujahrsgrüße


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,


ein gewisser Elazar Benyoetz hat einmal gesagt: „Sehnsucht ist die nach vorn gebeugte Erinnerung“. Ist es wirklich so, rührt unsere Vorfreude auf das nahende Weihnachtsfest nicht zuletzt aus lieben Kindheitserinnerungen her? Wir alle empfinden dieses Fest doch als etwas ganz besonderes. Wir haben alle aus der Erinnerung her, eine ganz bestimmte Vorstellung davon, wie unser Weihnachtsfest aussehen muss, und wenn dann nur eine Kleinigkeit nicht stimmt, dann ist es nicht richtig, dann werden wir unsicher.

Sind es also die Rituale, die Weihnachten ausmachen? Womöglich leer gewordene Rituale, weil wir längst nicht mehr ans Christkind glauben? Nun, unsere Vorstellung von der Weihnachtszeit ist noch immer geprägt von Ruhe, familiärer Harmonie und Besinnlichkeit. Unsere Häuser sind festlich mit Tannenzweigen geschmückt, es duftet nach Kerzen, Gewürzen sowie nach selbst gebackenen Weihnachtsstollen und Plätzchen. Und dann sind da diese Erinnerungen, die unsere Erwartungen in diesen Tagen hochschrauben.

Es wird schließlich viel erwartet von Weihnachten. Und so entsteht jedes Jahr das gleiche Phänomen, dass viele unter Druck geraten, Weihnachtsdruck und Weihnachtsstress. Vor lauter Vorbereitung auf Besinnlichkeit wächst der Stress. Und am Schluss bleibt die Besinnlichkeit auf der Strecke. Besinnlichkeit auf Knopfdruck, das gibt es nicht und wird es auch in Zukunft wohl nicht geben!

Wie kann es also Weihnachten werden bei uns?

Hören wir doch die alte Geschichte, um uns daran zu erinnern, worum es am Heiligen Abend geht und kommen wir über diese Geschichte zur Besinnung. Lassen wir den Tag ausklingen mit ein paar einfachen Gedanken über das, was wirklich wichtig ist im Leben. Was wir suchen an diesem Abend – das sind Worte, die uns tragen und keine frommen Seifenblasen die plötzlich in sich zusammenfallen. Vor über 2000 Jahren ist etwas geschehen, das unser Abendland verändert hat bis zum heutigen Tag. Es ist ein Versprechen, eine Verheißung; die Verheißung des Friedens auf Erden.


Doch dieser Frieden ist kein Geschenk, das einfach so unter dem Weihnachtsbaum liegt, verpackt mit roter Schleife. Nein, zur Erfüllung dieses Versprechens müssen wir selbst beitragen. Wir müssen uns den Frieden selbst verdienen. Doch wie weit sind wir heute damit gekommen, wenn Sozialwissenschaftler von einer Freizeitgesellschaft, von wachsendem Egoismus, vom Verfall der Wertegemeinschaft, von einer Entsolidarisierung im Alltag, sprechen? Ein Jeder sollte einmal in seinem eigenen Umfeld darüber nachdenken was Solidarität, Hilfsbereitschaft und Gemeinsinn heißt. Betrachten wir doch alles einmal aus einer höheren Warte und achten wir auch die Meinungen derer, die nicht unbedingt mit unserer eigenen Meinung im Einklang stehen.


Auch in diesem Jahr möchte ich die besinnliche Zeit zum Anlass nehmen, um Danke zu sagen. Ich bedanke mich an dieser Stelle bei allen, die sich freiwillig und unentgeltlich in den Dienst der Allgemeinheit stellen. Viele Menschen sind in der Politik, in den Rettungsdiensten, den Feuerwehren oder Hilfsorganisationen, in den Kirchen, im Sozialdienst oder in den Vereinen tätig. Sie übernehmen Verantwortung und setzen sich der Kritik der Mitmenschen aus. Sie sind motiviert durch ihren Willen, helfen, zuhören und beistehen zu können. Der Wert dieser ehrenamtlichen Arbeit für die Allgemeinheit kann nicht beziffert werden. Wir wissen nur, ohne diese Frauen und Männer könnte unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Es liegt mir sehr viel daran, auf diesen Umstand hinzuweisen. Leben wir doch in einer Zeit, in der es fast nichts mehr kostenlos gibt. Jeder strebt nach Profit und in den Medien erfahren wir von Prämienhöhen, die wir uns nicht mehr vorstellen können. Ehrenamtliche verzichten auf jegliche Art von Vergütung. Ihr Lohn ist das Bewusstsein, dem Nächsten geholfen zu haben.

Zusammen mit meinem Dank verbinde ich daher auch die Hoffnung, dass Sie auch in Zukunft unserer Dorfgemeinschaft ein menschliches Antlitz bieten. Dies wäre ganz im Sinne des Weihnachtsfestes, das wir zusammen am 24. Dezember begehen.


Mein besonderer Gruß in diesen Tagen gilt allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die wegen Krankheit, persönlicher Schicksalsschläge oder wegen anderer schwieriger Umstände ungetrübte Freude zum Weihnachtsfest oder zum Jahreswechsel nicht genießen können. Finden Sie gerade in diesen Tagen Trost. Ich will Ihnen Mut machen für die Zukunft, damit sie an ihrem Kummer nicht zerbrechen. Daher hoffe ich auch für uns Alle, dass uns die bevorstehenden Feiertage viel Freude und Zeit dafür bringen, um uns wieder auf das Wesentliche zu besinnen und Kraft für das neue Jahr zu tanken.


Auf die anfangs gestellte Frage, wie es Weihnachten werden kann, lege ich Ihnen dieses Weihnachtsgedicht von Hermann-Josef Frisch wärmstens an Herz:


Wenn mitten im Winter eine Rose aufblüht,

der Schmetterling leuchtend bunt durch den Garten zieht,

die Nachtigall ein Lied der Hoffnung singt

und zwischen Menschen Freundschaft und Glück erklingt.

Wenn mitten im Streit Versöhnung beginnt,

es selbst zwischen Feinden wieder richtig stimmt,

der Reiche mit dem Hungrigen teilt

und der Lahme zum Regenbogen eilt.

Wenn mitten im Leid die Not gewendet,

das Dunkel des Todes durch Licht beendet,

ein Kind wichtiger als alles ist

und Du ganz Du selber bist,

dann fängt Weihnachten an!


In diesem Sinne wünschen ich Ihnen und Ihren Familien ein friedvolles und gesegnetes Weihnachtsfest sowie für das Jahr 2013 Gesundheit, Zuversicht und Erfolg.


Ihr Ortsvorsteher

Gerd Weinland