50 Jahre SPD Mimbach

50 Jahre SPD Mimbach eine kleine Chronik  


Gründung und Anfangsjahre

Am 23.10.1955 fand im Saarland die Volksbefragung statt, die Auskunft darüber geben sollte wie es mit unserem Land politisch weitergehen soll. Das Ergebnis ist bekannt. Mit überwältigender Mehrheit stimmten die Saarländer für einen Anschluss an ihr Vaterland, die anderen Optionen, so interessant sie vielleicht heute dem einen oder anderen erscheinen mögen, hatten nie ein Chance. Anders als 1935 war Deutschland diesmal aber ein demokratischer Rechtsstaat, der sich anschickte in einem nicht für möglich gehaltenen Wirtschaftswunder das durch die Nazi Diktatur völlig zerstörte Land zügig wieder aufzubauen. Es war im Abstimmungskampf nicht möglich, sich offen für die SPD zu bekennen, da unsere Partei zu Saarzeiten nicht zugelassen war.Aber dennoch hatte die SPD gerade unter jungen Saarländern viele Sympathisanten. Der Entschluss sich für die älteste demokratische Partei auf deutschem Boden zu engagieren hatte für die damals handelnden Personen auch viel mit der Rolle der SPD in den dunkelsten Jahren der deutschen Geschichte zu tun. Die SPD stimmte als einzige der noch im Reichstag vertretenen Parteien (die KPD war bereits vorher verboten worden) gegen das Ermächtigungsgesetz Adolf Hitlers. Der damalige SPD Fraktionsvorsitzende Otto Wels beendete seine letzte Reichstagsrede mit dem ebenso mutigen wie verzweifelten Ausspruch „ Freiheit und Leben kann man uns nehmen, unsere Ehre nicht“. Viele Aktivisten der SPD mussten daraufhin den Weg ins KZ antreten, viele verloren wegen ihres unbeugsamen Kampfes für das wahre Deutschland ihr Leben. Nachdem es nun auch im Saarland wieder möglich war, sich offen zur SPD zu bekennen wurde direkt nach dem Anschluss an das Bundesgebiet die Saar-SPD gegründet, und im Frühjahr 1956 war es auch in Mimbach soweit. Der SPD Ortsverein wurde aus der Taufe gehoben.  Folgende Männer bildeten die Gründungsmannschaft: 

  • Fritz Lindemann, 1. Vorsitzender
  • Raimund Schwarz, Kassierer
  • Heinrich Moschel, Schriftführer
  • Theo Süters
  • Friedrich Jost
  • Willi Moschel
  • Karl Barth
  • Werner Hussong
  • Erich Hussong, 2. Vorsitzender
Aufbau und Ära Richard Carbon

Bürgermeister und Nachfolger von Oskar Carbon wurde 1956 für die SPD Richard Carbon, der dieses Amt bis zur Gebiets-und Verwaltungsreform im Jahre 1974 innehaben sollte. Richard Carbon wurde am 22. Mai 1956 gegen die Stimmen der damaligen CDU-Fraktion zum Bürgermeiter gewählt. In einer seiner späteren Reden schildert er diese schwierigen Anfangsjahre der SPD unter anderem wie folgt: „Mit dieser Wahl im Jahre 1956 wurde erstmals in unserer Gemeindegeschichte ein Vertreter der Arbeiterschaft zum Ortsoberhaupt berufen. Wir ließen uns durch keine falsche Illusionen beirren und setzten unsere Aufbauarbeit in unserer Gemeinde unbeirrt und zügig fort. Wenn ich dies betone, so möchte ich mir die Bemerkung erlauben, daß seinerzeit beim Bau einer Maßnahme der Ausdruck gefallen ist „Jetzt regiert das Lumpenzeug, die bringen die Gemeinde noch unter den Hammer“   Liest man heute diese Zeilen, so wird deutlich, wie schwer es die SPD besonders in den ersten Nachkriegsjahren hatte, wiederr als politische Führungskraft anerkannt zu werden. Damals bezeichnete sich die SPD noch nicht als Volkspartei, sondern als alleiniger Vertreter der Arbeiterschaft.  Im Gemeinderat saßen ab 1968 damals drei junge Sozialdemokraten, die in den folgenden Jahren eine entscheidende Rolle in der Mimbacher SPD spielen sollten.   Und zwar:  

  • Rudi Gentes, Vorsitzender von 1970 bis 1977, Stadtratsmitglied von 1974 bis 1982 
  • Gustav Hussong, Stadtratsmitglied nach Rudi Gentes bis 1999, stv. Vorsitzender der SPD, Aktivist im Musikverein und aktiver Gewerkschaften, für sein Engagement in Politik und Gesellschaft mit dem Bundesverdienstkreuzes ausgezeichnet. 
  • Günther Müller, Ortsvorsteher von 1974 bis 1999, SPD-Vorsitzender von 1983 bis 1997, Aktiv bei den Jusos, Vorsitzender im Unterbezirk, kurz gesagt- ein Leben für die Sozialdemokratie. 

 

Eingemeindung 1974

Kann man die 50-ziger und 60-ziger Jahre getrost als Aufbaujahre bezeichnen, in denen Mimbach die Voraussetzungen für ein gut funktionierendes Gemeinwesen geschaffen hat, so kam mit dem Jahre 1974 in Gestalt der Gebiets- und Verwaltungsreform das uns allen bekannte Ende der kommunalen Selbstständigkeit. Dieser Eingriff in den Grundsatz der kommunalen Selbstverwaltung war politisch äußerst umstritten und ist auch heute über 30 Jahre danach längst nicht über alle Kritik erhaben.   Die SPD Mimbach suchte sich von Anfang an gut zu positionieren und hoffte sich im Interesse unseres Dorfes auch in der Stadt Blieskastel zu behaupten. Mit Rudi Gentes schickten wir einen jungen, kämpferischen Abgeordneten in den Stadtrat, der sich auch schnell durch Kompetenz und Fleiß das Ansehen seiner Fraktionskollegen erwarb. Die Ära Günther Müller begann in diesem Jahr. Er sollte das Ortsvorsteheramt 25 Jahre bis ins Jahr 1999 innehaben. Die ersten Jahre waren für alle Beteiligten schwer. Man musste sich auf die neuen Gegebenheiten einstellen und erkennen, dass die Entscheidungswege sehr viel komplizierter und länger wurden.   Genügte früher ein Gemeinderatsbeschluss und der Umsetzung stand nichts mehr im Wege, so war es jetzt mit einem Beschluss des Ortsrates nicht mehr getan. Der Ortsrat musste erkennen, dass er im Kern lediglich Anregungen geben konnte, die erforderliche Mehrheit musste im Stadtrat organisiert werden. Und so war es nicht verwunderlich, dass am Ende der ersten Legislaturperiode im Jahre 1979 allenthalben Ernüchterung, ja sogar Verbitterung über die jetzigen städtischen Zustände erkennbar war. In einem Flugblatt der SPD Mimbach aus jener Zeit heißt es:  „Die CDU-Landesregierung hat mit der Gebiets- und Verwaltungsreform den Bürgern eine rosige Zukunft versprochen. Doch die Rosen sind mittlerweile von Dornen überwuchert worden:- Steuerhebesätze und viele Gebühren wurden zum Teil drastisch erhöht. Von Bürgernähe ist in einer aufgeblähten Verwaltung kaum noch etwas zu spüren; genau das Gegenteil von dem, was man als Ziel der Verwaltungsreform herausgestellt hatte, ist eingetreten.- die Stadt Blieskastel ist in eine katastrophale Finanzlage geraten, weil die Sonderförderung der Röder-Regierung nur auf dem Papier erfolgte. Der Schuldenberg ist auf über 20 Millionen angewachsen, viele der hochgestreckten Wahlversprechen der CDU wurden darunter begraben.“      



Schwimmbadschließung

Aberr für Mimbach kam es noch schlimmer.  1981 In einer Sitzung des Bauausschusses der Stadt Blieskastel wird bekannt, daß Bürgermeister Gehring beabsichtigt, der Verwaltung die Schließung des Mimbacher Schwimmbades vorzuschlagen. Diese Absicht ruft in Mimbach große Empörung hervor. In mehreren Sitzungen befaßt sich der Ortsrat mit dem Problem und besteht auf der Erhaltung des Schwimmbades, das durch Ausbesserungsmaßnahmen wieder attraktiv werden könnte.  In einer Bürgerversammlung am 18. Mai im überfüllten Saal des Matthias-Claudius-Heimes fordern über 250 Anwesende mit Nachdruck den Erhalt des Schwimmbades. In einer Unterschriftenaktion unterstützen 1295 Personen aus Mimbach und den angrenzenden Stadtteilen die Forderung auf Erhaltung des Bades. In einem Protestmarsch ziehen mehr als 200 Mimbacher und Breitfurter am 25. Mai 1981 zum Rathaus, wo in einer Stadtratssitzung über den Initiativantrag der SPD-Fraktion auf baldige Öffnung des Mimbacher Bades beraten und beschlossen wird.  In der wohl „spannendsten Sitzung seit Bestehen der neuen Stadt Blieskastel“ (Saarbrücker Zeitung) wird in geheimer Wahl mit 17:16 Stimmen und 4 Enthaltungen der Antrag auf Öffnung des Schwimmbades abgelehnt. Damit ist der Schicksal des Mimbacher Bades entschieden. Eine große Enttäuschung macht sich unter den Mimbachern breit. Aus Protest lehnen die Vereine eine Teilnahme am diesjährigen Blieskasteler Altstadtfest ab, die Arbeitsgemeinschaft der Ortsvereine veranstaltet stattdessen zum gleichen Zeitpunkt ein Dorffest, das mit etwa 5000 Besuchern ein voller Erfolg wird und die einhellige Ünterstützung der Schwimmbadsache widerspiegelt. Der Erlös des Protest-Dorffestes wird dem Ev. Kindergarten zur Verfügung gestellt. Dieser Vorgang bedeutete für Mimbach einen tiefen Einschnitt, der Stallbock war endgültig das am meisten gehasste Symbol in diesen Tagen. 

 

Gustav Hussong im Stadtrat und Ära Bürgermeister Dr. Moschel

1984 wurde Gustav Hussong in den Stadtrat gewählt. Gustav arbeitete sich rasch in die Materie ein und bemühte sich auch, die Probleme und Nöte der anderen Stadtteile kennen zu lernen. Er galt als kompetent und streitbar, als idealer Verfechter der Interessen unseres Dorfes. Seine Kritik an Bürgermeister und Verwaltung gipfelte in dem Vorwurf „Keinen Hammerschlag habe die Stadt Blieskastel seit der Gebiet- und Verwaltungsreform in Mimbach getan, außer das Schwimmbad geschlossen“ , Nach dem Motto „steter Tropfen höhlt den Stein“ wiederholte er diese Kritik zu jeder passenden Gelegenheit. An diesem Zustand änderte sich erst etwas, als auf dem Bürgermeistersessel in Blieskastel ein neuer mann Platz gnommen hatte. Nach dem Amtsantritt von Dr. Werner Moschel konnten folgende Investitionen in Mimbach getätigt werden:   

  • Erweiterung und Modernisierung der Leichenhalle
  • Neubau des Feuerwehrgerätehauses
  • Herstellung der Verbindungsstraße zum Industriegebiet
  • Sanierung und Neugestaltung des Schulhofes
  • Sanierung der Kirchentreppe
  • Erneuerung des Kanales in der Winterbergstraße
  • Erneuerung des Daches unseres Schulhauses

 



1200 Jahr Feier

Ein weiterer markanter Punkt in unserer jüngeren Geschichte war sicher die Jubiläumsfeier 1200 Jahre Mimbach im Jahre 1996. Die gesamte Dorfgemeinschaft engagierte sich und Mimbach bewies einmal mehr dass es verstand zu feiern und das auch auf sehr hohem Niveau. Zentrum der Feierlichkeiten war unsere wunderschöne Kirche, in der unvergessene kulturelle Veranstaltungen geboten wurden. Vielleicht wäre ein Fest aus Anlaß der 1212-Jahres Feier im Jahre 2008 nochmals Gelegenheit etwas ähnliches, wenn auch nicht in solch großem Rahmen auf die Beine zu stellen. Die neugestaltete Dormitte böte sicherlich den passenden Rahmen hierzu.  

 

Aktuelle Lage seit 1999 und Ausblick

1999 kam es nun zum Generationswechsel im SPD Ortsverein Mimbach. Die langjährigen Matadore waren in die Jahre gekommen und überließen das Feld den Jüngeren. Nachfolger von Gustav Hussong im Stadtrat wurde nach der Wahl 1999 Axel Weinland, das Amt des Ortsvorstehers übernahm im selben Jahr Thomas Hussong. Thomas nutzte seine berufliche Tätigkeit im Umweltministerium und seine Kenntnisse der europäischen Förderrichtlinien indem er das Thema Dorfsanierung wieder auf die Agenda setzte, wohl wissend, dass die Mittel hierfür nicht ewig fließen werden. Seiner damaligen Initiative ist es mit zu verdanken, dass wir vor gar nicht langer Zeit unsere neue Dormitte einweihen konnten und auch Fördergelder in Höhe von 20.000,00 DM für die Renovierung des Mathias-Claudius-Heimes aus Mitteln der Dorfsanierung erhalten konnten. Seit der Kommunalwahl 2004 haben wir mit Gerd Weinland einen neuen Ortsvorsteher, dem es in der kurzen Zeit gelang, deutliche Duftmarken zu setzen. Inzwischen nennt man ihn schon den Ortsvorsteher „Überall“, da er überall und immer dabei ist, wenn es im Stadtrat oder in einem Ausschuss um Mimbacher Belange geht. Die SPD Mimbach ist sich sicher, auf einem guten Weg zu sein und dass es auch in diesen kommunalpolitisch schwierigen Zeiten gelingen wird, unser Dorf voran zu bringen.   Etwas schade ist natürlich, dass es immer weniger gelingt, Mitstreiter für die Kommunalpolitik zu gewinnen. Die Situation aller Parteien ist was dies angeht ähnlich und in den Vereinen ist es auch nicht anders. Man wagt nicht daran zu denken, wo es hinführen kann, wenn diese Entwicklung so weiter geht. Unser demokratisches System basiert nun einmal auf der Mitwirkung der Bürger. Dies ist das Fundament und der Kern unserer Demokratie.  Und gerade bei der kommunalen Selbstverwaltung geht es ohne ehrenamtliches Engagement nicht. In der Kommunalpolitik geht es schlicht und ergreifend um die Frage, wie wird mit dem von den Bürgern anvertrauten Geld vernünftig und zum Nutzen des Allgemeinwesens umgegangen. Wenn keiner mehr bereit ist mitzumachen, wird unser System morsch und bricht irgendwann in sich zusammen. Bereit als Beute für denjenigen, der skrupellos genug ist zuzugreifen. Haben sie also Mut, machen Sie mit. Die SPD Mimbach kann Ihnen versichern, dass sie sich wie in der Vergangenheit, in der Gegenwart und auch in der Zukunft auf uns verlassen können.

 Rainer Gros, 1. Vorsitzender, 06842(51240)